dm Drogeriemarkt und Umweltschutz
Offener Brief
Sehr geehrte Damen und Herren,
heute hatte ich ein Geschenk von Ihnen in der Post. Eine Werbetasche aus 70% Recycling-Kunststoff. Mit diesem Geschenk, so vermute ich, soll ich in Zukunft dafür Werbung machen, dass dm ein besonders umweltfreundliches Unternehmen ist.
In Ihrem Anschreiben rühmen Sie sich selbst, dass sie bereits zum zweiten Mal mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis prämiert wurden. Ich persönlich habe eine andere Vorstellung von Nachhaltigkeit. Umweltschutz beginnt aus meiner Sicht nämlich vor allem mit Müllvermeidung. Der beste Umweltschutz ist es doch, auf die Dinge zu verzichten, die man gar nicht braucht. Dann braucht man zumindest an dieser Stelle auch keine kostbaren Rohstoffe zu verwenden, keine unnötige Energie zu verbrauchen und hinterher keinen Müll zu recyclen.
Was glauben Sie wohl, wie viele Ihrer Kunden nicht mit Ihrer Werbetüte herumlaufen wollen und diese sofort in den Müll befördern? Ich bin sicherlich nicht der einzige. Es würde mich sehr interessieren, wie diese Werbekampagne für Umweltbewusstsein in der Bilanz tatsächlich aussieht. Und natürlich, wie Sie zu meinem Vorwurf hier nicht wirklich nachhaltig gedacht zu haben stehen.
Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Beste Grüße
Dirk Elbel
Fundstück der Woche: Die Wurzel des Techno
Letzten Donnerstag verspürte ich plötzlich einen Schlag in der Wirbelsäule. Na, es war eher wie ein Stich mit einem Messer. Ab dann war es jedenfalls aus mit Haltung bewahren. Und weh tat das auch. Wie Hölle. Der weitere Verlauf des Tages lässt sich wie folgt zusammenfassen: Mit Mühe und der Ubahn zum Arzt. Mit noch mehr Mühe und noch mehr Schmerzen wieder raus.
Wobei die Mühe dieses Mal der Taxifahrer hatte, der mich in sein Fahrzeug tragen musste. An Gehen war nicht mehr zu denken. Nicht mal mit meinen neuen Krücken, die der Arzt nicht vergass, schnell noch mit auf seine Rechnung zu schreiben. Zusätzlich zu den Verrenkungen, die er an mir machte, den vier Spritzen in die Wirbelsäule, der Akupunktur, dem Wärmeumschlag und den lustigen Klebestreifen, die er mir in der halben Stunde seiner Behandlung auf den Rücken klebte. Nur der Osaft war umsonst. Ich konnte nur leider das Glas nicht heben. Endlich wusste ich, was es heisst, privat versichert zu sein. Auf der Fahrt ins Krankenhaus versuchte ich mir zu merken, dass ich unbedingt irgendwann mal mal die Abschiedsworte des Orthopäden “Tut mir leid, dass ich Ihnen nicht helfen konnte” als Beispiel für Euphemismus verwenden muss. Oder als Beispiel für Zynismus. Obwohl - dafür war er eigentlich zu nett.
Im Krankenhaus wartete schon ein Rollstuhl auf mich. Nicht aber das, worauf ich eigentlich gefasst war. Geschickt wurde ich nämlich zur Anfertigung einer MRT, die das Krankenhaus aber um die Uhrzeit eh nicht mehr durchführte. “Das hätte Ihr Arzt aber wissen müssen.” Also gut - er musste mich ja irgendwie loswerden. So lernte ich halt ein paar junge Burschen kennen, die gerade ihre Ausbildung machen und mit mir Doktor spielten. Währenddessen gab es Scherzmittel - auch für den Rest des Wochenendes. Für zuhause. Ja, ich konnte danach wieder gehen!
Heute kam dann endlich der Tag. DER Tag. Ein neuer Arzt. Schon wieder. Und meine erste MRT. Ich war eigentlich neugierig. Spätestens als mich meine Mutter anrief mit den Worten: “Der Papa hat gesagt, Du musst in die Röhre!?” Und dies mit einer bedeutungsvoll bedrohlichen Stimme und der Betonung auf “die” und ”Röhre”. Ihre Sorge konnte ich mir schnell mit Ihrer Platzangst erklären, und war ab dann noch mehr aufgeregt und immer noch nicht besorgt. Zumal ich inzwischen auch kaum noch Schmerzen hatte. Man gewöhnt sich halt schnell an die Painkiller. Was hatte ich also noch zu erwarten?
Als sich die Fahrstuhltür in die High-Tech Praxis öffnete, betrat ich eigentlich Raumschiff Enterprise. Okay. Das Geräusch beim Öffnen der Tür fehlte. Nachdem ich dann zum siebten, nein achten und tatsächlich noch nicht letzten Mal in den vergangenen Tagen meine Daten, die eigentlich auch auf meiner Plastikkarte gespeichert sind, in ein Formular eingetragen hatte, war es schon so weit. Ich durfte mich auf eine Art Schlitten legen, der kurz darauf hinein glitt. In die Röhre. DIE RÖHRE. So muss man sich wohl fühlen, wenn man in seinem Sarg liegt und in den Ofen des Krematoriums gefahren wird. Ich benutze dieses Bild nur, um die Geschichte zu dramatisieren, denn das, was folgte war nicht so spektakulär. Wenn ich wüsste, wie das wäre, würde ich es eher als das Liegen in einer Sonnenbank erklären. Nur ohne Licht. Dafür war die Musik besser als die, die aus den Kopfhörern tönt, die bessere Solarien für ihre Kunden bereit halten. Brrrrrr, Tok, Tok, Tok, Tssssss, Knack, Knack, Srrrr, Srrrrr. Bruuuuiiiiiiu. Hätte die Durchleuchtungsassistentin nicht gesagt, ich dürfe mich nicht bewegen, hätte ich die Ohrenstöpsel, die sie mir gegeben hatte, wieder herausgenommen. Ich fühlte mich versetzt in einen unterirdischen Raum Mitte der 90er hinter einer Ruine in Berlin. Das war doch Techno. Vielleicht auch dekonstruierter Techno. Den Unterschied würde meine Mutter aber sicher nicht erkennen. Nicht ganz unangenehm also. Aber viel schneller vorbei als Techno. Ziemlich genau 30 Minuten später nämlich verliess ich die Praxis auf dem Weg zum nächsten Arzt. ”Die Daten beamen wir schon mal rüber.” verabschiedete mich Ltd. Uhura. Äh - die Sprechstundenhilfe.
Inzwischen sitze ich hier und überlege, wie viele Techno-Produzenten wohl schon mal eine MRT gemacht haben. Einen kenne ich sicher. Grüße an dieser Stelle. Und gute Besserung. Er kann’s gebrauchen. Bei mir war es alles in allem viel weniger aufregend als ein Besuch im Berghain. Mit Gehörschutz, wohlgemerkt. Diesen Tag beende ich nun mit dem immer noch anhaltenden pulsierenden Druck im ganzen Körper. Fühlt sich an, als würde man merken, wie jedes einzelne Blutkörperchen durch die Adern schiesst. Das kommt bestimmt von der Verstrahlung.
Ach so ja. 10x Turnen soll ich. Hat der letzte Arzt gesagt. Und 10x Naturmoor. An dieser Stelle ist dann aber bitte auch mal Schluss mit den Technovergleichen.
Ich nehme jetzt noch eine Tetrazepam und geh Schlafen.
Scheiss Rücken.
…
(Quelle: youtube.com)
Rechner kaputt
Das hat gerade noch gefehlt. Betet mit mir, dass es nur die HD ist.
Ein(en) Hoch auf den Kinderkanal!
Don’t drink and drive. Oder höre einfach auf Deinen Opa.




